In Susans und Jeffreys Welt ist man bis unter die Zähne bewaffnet. Nach Sonnenuntergang wird sie zur lebensbedrohlichen Sphäre, in der sich Beschaffungskriminelle, brandschatzende Horden und allerlei Bösewichte rücksichtslos am Eigentum anderer bedienen.
Susan arbeitet in Miami als Rätselspezialistin unter dem Decknamen Mata Hari, und Jeffrey, der Psychologieprofessor, hat sich im Norden der USA einen Namen als Profiler von Serienmördern gemacht. Von ihren Arbeitsplätzen – Zeitungsredaktion und Uni – lassen sich die Geschwister von Sicherheitsleuten an ihre Autos eskortieren – denn wer nach Feierabend allein auf der Straße bleibt, ist lebensmüde. Globalisierung, Arm-Reich-Schere, zivile Schutzmaßnahmen, Klimawandel: All das ist in John Katzenbachs neuem Thriller, „Das Rätsel“, schon ein bisschen voran geschritten.
Willkommen am besten Ort der Welt
Dabei spielt Susan und Jeffreys Welt nur wenige Jahre in der Zukunft – vielleicht ist das der Grund, warum des Bestseller-Autors jüngster Streich so ein erschreckend gut vorstellbares Zukunftsszenario entwirft. Ist diese schöne neue Welt der Metalldetektoren, Bewegungsmelder und Straßenbarrieren bald globale Wirklichkeit? Den Offiziellen sitzt die Knarre recht locker, und auch wenn Zivilisten sich (not-)wehren, wird nicht allzu viel Zeit mit Polizeiarbeit verplempert. Mord und Totschlag gehören halt zum Tagesgeschehen. Doch Amerika wäre nicht Amerika, hätte eine hemdsärmelige Obrigkeit nicht eine saubere Lösung für die drängenden Gesellschaftsprobleme ihrer Zeit gefunden: den 51. Bundesstaat.
Welchen Preis hat die Freiheit?
Was war das früher schön! Man brauchte sein Auto nicht abzuschließen, konnte seine Kinder allein in die Schule laufen lassen, und die Verandatür klapperte unverriegelt in der frischen Zugluft. Und so haben die Behörden auf ehemaligem Wüstengebiet im Südwesten der USA einen neuen Sektor errichtet, wo alles so ist, wie es einmal war: New Washington. Kein Verbrechen, keine Waffen, keine Angst. Dafür Unmengen Verordnungen, strikte Grenzkontrollen und verschärfte Einreisebestimmungen. Überhaupt ist der Preis hoch: Wer in der Sicherheitszone leben will, muss sich seine ge-DIN-normte Reihenhausfreiheit mit einem Batzen Dollars erkaufen. Die Gegend wird von der State Security kontrolliert. Und die Tageszeitung im Land ist nicht mehr als ein „Feigenblatt“ der Staatssicherheit, denn die hat die Pressefreiheit kurzerhand abgeschafft.
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