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Interview mit John Katzenbach

 

Frage: Sie nannten einmal „Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow eines Ihrer liebsten und wichtigsten Bücher. Das klingt für einen Schriftsteller mit dem Etikett „Thrillerautor“ ungewöhnlich. Was fasziniert Sie an diesem Werk?
John Katzenbach: Es freut mich, dass Sie nach „Der Meister und Margarita“ fragen! Ich liebe dieses Buch, weil es absolut amüsant ist. Gleichzeitig handelt es von so wichtigen Themen wie Liebe oder Loyalität. Es lässt sich nicht so leicht einordnen – denn es handelt von Religion, vom Sozialismus, von der Menschlichkeit. Der Roman zerstört Gewissheiten darüber, was gut und was böse ist. Und er lässt den Leser mit dem Gefühl zurück, dass nichts vorhersehbar ist. „Der Meister und Margarita“ ist eine Tour de Force des Schreibens – begnadet, bewegend, provokativ. Sicher, dieses Buch ist weit davon entfernt, ein Thriller zu sein. Aber es ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Roman sein sollte: spannend und fesselnd; eben so, dass man ihn, einmal mit dem Lesen begonnen, nicht mehr aus der Hand legen möchte.

Frage: Sie leben in Massachusetts und haben früher in Miami als Journalist gearbeitet. Was macht Ihrer Meinung nach Ihre Bücher auch für deutsche Leser attraktiv?
John Katzenbach: Mmh, warum die deutschen Leser meine Bücher mögen? Ich würde nicht behaupten, dass ich das ganz genau weiß. Aber ich hätte da eine kleine Theorie: Mein Eindruck war immer, dass die Deutschen nicht darauf aus sind, auf komplizierte Fragen einfache Antworten zu finden. Sie lieben das Subtile und sind davon begeistert, Knoten zu entwirren.

Frage: Ihre Bücher sind mit Stars wie Sean Connery oder Bruce Willis verfilmt worden. Konnten Sie Einfluss nehmen bei der Entstehung der Filme? Hatten Sie Gelegenheit, die Protagonisten persönlich kennenzulernen?
John Katzenbach: Das werde ich häufig gefragt. In letzter Zeit hatte ich kaum Gelegenheit, Einfluss auf das zu nehmen, was aus meinen Büchern gemacht wurde. Und ich hatte definitiv keine Chance, Stars wie Bruce Willis oder Sean Connery zu beeinflussen. Und wenn dann die Verfilmungen dürftiger als meine Buchvorlage waren, war ich schon frustriert. So habe ich mir also von den Produzenten von „Die Anstalt“ zusichern lassen, dass ich das Drehbuch schreibe. Ich bin zuversichtlich, dass die Dreharbeiten im nächsten Jahr beginnen werden. Aber als Drehbuchautor bin ich mir bewusst, dass sich Dinge ändern können, wenn sie von den Buchseiten auf die Leinwand kommen. Das weiß jeder, der so etwas macht… Ich hoffe, dass die „innere Architektur“ meiner Geschichte erhalten bleibt. Ich bin mir nicht sicher, ob das für frühere Verfilmungen gilt…

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